Villa Albers – Lehmkuhlenbusch

Villa Albers – Lehmkuhlenbusch (1880 – 1973)

Oberhalb der damaligen Wildeshauser Chaussee (jetzt Wildeshauser Straße) wurde Lehm gewonnen, dabei entstanden Kuhlen, daher wohl der Name Lehmkuhlenbusch. Der Lehm wurde für den Hausbau verwendet.

1872 erwarb dort der Bremer Kaufmann Johann Abraham Albers (1831 – 1886) für ca. 7000 Taler ausgedehnte Länderreien auf 23 Meter Höhe über NN. Man nannte das Gebiet im Volksmund die „Delmenhorster Schweiz“. Er ließ das große Grundstück zu einem Park umwandeln. Man munkelt, dass auch hier der Gartenarchitekt Franz Wilhelm Benque seine Finger im Spiel hatte. Benque war der Schöpfer des Bremer Bürgerparks und des Wolleparks (Garten der Lahusens) in Delmenhorst.
Albers baute in diesem Park 1880 eine stattliche Villa im Stil der Neorenaissance mit weiß aufgeputzten Quadern und Giebelgesimsen. Es gehörte zu den schönsten Beispielen der großbürgerlichen Architektur.
Albers hatte sich damit einen lang gehegten und viel durchdachten Wunsch erfüllt, wie man im Tagebuch von
Prof. Dr. theol. h. c. Carl Paul vom 28.09.1881 lesen konnte, der über einen Besuch im Lehmkuhlenbusch berichtete. Die wohlhabenen Bremer besitzen alle in der Nähe der Stadt solche ländlichen Sitze, die für den Sommer jedenfalls höchst angenehm sind, schrieb Carl Paul weiter. (http://gaebler.info/ahnen/paul/carl-tagebuch-1.htm#Lehmkuhlenbusch)

Nach dem Tod von Johann Abraham Albers im Jahre 1886 erbten seine Witwe und Sohn Georg Wilhelm die Villa und den ländlichen Besitz, der damals noch bis an die Dummbäke reichte (siehe Foto unten). Nach dem Tod seiner Mutter im Jahre 1889 wurde der damals 22 jährige Georg Wilhelm Alleinerbe. 1896 leistete der Millionär heftigen Widerstand gegen die Delmenhorster Friedhofspläne an der Wildeshauser Chaussee. Er versuchte den Kirchenrat mit 2000 Mark umzustimmen, dass dieser auf die Anlage des Friedhofes verzichtete. Eine beachtliche Summe damals. Aber der Kirchenrat stimmte dagegen und führte 1897 die Pläne durch. Der evangelischen Friedhof wurde wie geplant angelegt. Der Boden dort in diesem Gebiet war trocken und perfekt für diese Zwecke geeignet.
Ab 1909 ging daher das Gut Lehmkuhlenbusch für 80.000 Mark in andere Hände über. Georg Wilhelm Albers verstarb 1917 in Hessen.
Ab 1919 wechselten die Besitzer häufig, es wurde an- und umgebaut, Land hinzugekauft und wieder verkauft. Später wurden die Länderreien von der Stadt Delmenhorst angekauft, die so die Grundstücksvoraussetzungen für den Bau des 1928 fertiggestellten Krankenhauses schuf.

1918 – 1933 wohnte der damalige Oberbürgermeister Rudolf Königer in der Villa. In der NS Zeit wohnten dort Standartenführer und Offiziere. Bis 1956 diente es den Städtischen Krankenanstalten als Nebengebäude. Dort wurden Tuberkulosekranke untergebracht und war mit 31 Betten ausgestattet. Nach 1956 bis 1973 stand das Gebäude leer. Dann kam der Abrissbagger und die einst wunderschäne Villa wurde „zurückgebaut“. Einige der Nebengebäude blieben noch stehen, wie z. B. das Hofmeierhaus und der Wagenschuppen. Diese mussten 1997 dem Hanse-Wissenschaftkolleg weichen.

Das eigentliche Grundstück der Villa blieb unbebaut. Nur die Treppenstufen der Terrasse und einige andere Steine blieben übrig und erinnern so an den einstigen wundervollen Prachtbau. Aber auch diese werden langsam von der Natur zurückerobert. Der Rest des ehemals eindrucksvollen Parks, mit seinem hundertjährigen Baumbestand, bleibt verwildert zurück. 

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Quellen:
Zeitschnitte – Festbuch zum 625jährigen Stadtjubiläum von Delmenhorst (1996)
„Delmenhorst“ vom Dari-Verlag (1930)
„Rundgang durch das alte Delmenhorst“
Fotos: Postkartensammlung von Jens Tönjes + Stadtarchiv Delmenhorst, aktuelle: Carola Schewe-Kinder