Tiergarten

Tiergarten 

Der Tiergarten ist ein ca. 35 Hektar großes Waldgebiet, das größte in Delmenhorst. Ein Mischwald mit Buchen, Eichen, Erlen, Amerikanischen Roteichen, Pappeln (genau 3 Stück 🙂 ) und vielen anderen Baumarten, wie z. B. den Nadelhölzern und einiges mehr. An dem Waldgebiet grenzt nördlich der Bahn noch ein Bereich der ehemaligen Tonkuhle/Tonstich der Dampfziegelei Twisterling. Sie bauten dort Ton ab und brannten dort Ziegel. 

Geschichte:

Früher befand sich der Wald im Besitz der Delmenhorster Grafen. Anton I (1505 – 1573) hat ihn um 1560 anlegen lassen, um stets einen gedeckten Tisch zu haben. Nach dem Tod von Graf Christian (1612-1647)  stritten sich mehrere Familien um den Wald. Wer nun rechtmäßiger Besitzer war, konnte man nicht mehr herausfinden. Lang, lang ist es her.  Aktuell gehört er zu den Niedersächsischen Landesforsten. 

Hutewald

Auf alle Fälle war der Tiergarten einmal ein Hutewald (ein in extensiver Form als Weide genutzter, lichter Wald). Dort wurden vor allem Schweine in den Wald getrieben, die die Eicheln und Bucheckern fraßen. Das zerstörte fast den Wald, weil so keine neuen Sämlinge mehr austreiben konnten.

Oppermann

1796 (70 Jahre vor der Anlage des Bremer Bürgerparks) setzte sich dann der Delmenhorster Amtsarzt Dr. Otto Ernst Oppermann dafür ein, dass aus dem Hutewald ein „Lustholz mit Spazierwege“ entstand. Er hat auch den Götterhain (wahrscheinlich) entlang der Oldenburger Landstraße geschaffen. Eine Reihe von dicken Buchen, in die er reliefartige Figuren einiger Götter einritzte. Die dickste Buche war die Fürstenbuche, die das oldenburgische Landeswappen als Inschrift trug. Auch sich selbst widmete er eine Buche. Leider sind diese Buchen teils durch das Anritzen schneller verfault, teils wurden diese Buchen in den Notjahren nach dem zweiten Weltkrieg abgeholzt. Auf alle Fälle standen entlang der Oldenburger Landstraße dicke Buchen, die auch gefällt wurden, obwohl viele Delmenhorster dagegen waren, darunter auch der damalige „Tiergartenverein“. Ob es genau die von Oppermann waren, habe ich noch nicht herausgefunden. In manchen Büchern steht auch, dass diese in der Nähe „Hinter dem Tiergarten“ gestanden haben sollen. 

Bremer Besucher

Da es ja den Bremer Bürgerpark noch nicht gab, reisten viele Bremer sonntags mit Kutsche und Bahn nach Delmenhorst, um hier die Natur zu genießen. Im Jahre 1875 zu Pfingsten waren große Menschenmassen unterwegs. Trotz eines Sonderzuges schaffte es die Eisenbahn (die seit 1867 Delmenhorst mit Bremen und Oldenburg verband) kaum, am Abend die ganzen Besucher wieder nach Hause zu bringen.

Oldenburger Straße

Damit die Pferdekutschen auch bei oder nach Regenwetter gut zum Tiergarten gelangen konnten, wurde aus der eins Oldenburger Chaussee genannten Oldenburger Straße schnell die schönste Straße der Region. Sie wurde gepflastert (mit Katzenkopfpflaster). An der Nordseite pflanzte man Linden, an der Südseite Eichen. Nach alten Postkarten zu urteilen, sieht die heutige Bremer Straße im hinteren Bereich (zwischen Thomsen und Heidkruger Bahnhof) ähnlich aus, nur moderner. 🙂 Nach der Fertigstellung der Oldenburger Straße wurde von 1828-1900 für die Benutzung mit Pferd und Wagen ein sogenanntes Wegegeld erhoben. Befreit waren nur in der Nähe ansässige Bewohner.
Viele reiche Bremer Kaufleute ließen hier ihr Villen bauen. Leider stehen davon kaum noch welche.
Im östlichen Teil gab es später mehrere Geschäftshäuser. Diese reichten größtenteils – ohne Vorgarten – bis an den Bürgersteig. Im Westen standen mehr die Wohnhäuser. Einige hatten einen Vorgarten, der durch einen Holzzaun vom Bürgersteig getrennt war. Meist lag zwischen Holzzaun und Bürgersteig noch ein kleiner Graben. 

Name

Woher der Name „Tiergarten“ oder auch „Thiergarten“ stammt, ist nicht so recht geklärt. Es gibt unterschiedliche Meinungen:

1. Bis 1647 war das Waldstück Jagdgebiet der Delmenhorster Grafen. Ein Jagdhaus befand sich damals im Wald und er war teilweise mit einem Gatter versehen. Im Norden war die Welse die natürliche Grenze. Auf einer Landkarte von 1643 wurde der Tiergarten durch eine hohe Umzäunung als gräfliches Wildgehege dargestellt. Es wurde ca. 1560 angelegt und mit Rotwild „bestückt“.

2. Ein Flurnamensforscher meinte, dass das „Tier“ in Tiergarten vom alten Wort „Ter“ abgeleitet wurde, was Bauholz bedeutet, also schlicht für den Baum stand.

Ursprünglich hieß der Wald  „Die große Deichhorst“.

Hexenwald

Nach dem 2. Weltkrieg musste der Tiergarten sehr leiden. Wegen der Brennholzknappheit wurde der Wald quasi geplündert. Es wurde „schwarz“ gefällt und alles was an Totholz herum lag wurde eingesammelt und zu Hause im Ofen verbrannt. Dies hatte natürlich noch viel später Folgen, weil auch Totholz wichtig für den Wald ist. Totholz liefert Nährstoffe. Nährstoffreicher Boden ist positiv für den Wald. Die Bäume wachsen dadurch schneller. Außerdem sind so mehr Mikroorganismen im Waldboden, welche den Boden auflockern. Der Boden kann somit mehr Wasser speichern, welches auch den Bäumen zugute kommt.
An einer Stelle im Tiergarten pflanzte man ganz viele Nadelbäume, in der Hoffnung, dass diese schneller wachsen als Laubbäume und somit schnell verfeuert werden können. Von vielen Schulkinder der Grundschule Deichhorst wird dieser Teil des Tiergarten gerne Hexenwald genannt. Wohl weil es dort dunkler ist, als im übrigen Wald und die Bäume teilweise so komische Auswüchse haben, die sie urig aussehen lassen.

2012 wurden dort aber auch einige Nadelbäume gefällt, damit es dort lichter wird und wieder Laubbäume nachwachsen können. Ich hoffe, dass zumindest die Douglasien mit ihren komischen Knubbels stehen bleiben. Sie säumen den Weg durch den Hexenwald.

 

 

Denkmal

Das Denkmal von Großherzog Nikolaus Friedrich Peter, auch Peter der II (1827 – 1900) wurde 1912 vom Kriegerverein Deichhorst errichtet. Der Großherzog herrschte fast 50 Jahre über den kleinen Oldenburger Staat, zu dem auch Delmenhorst damals gehörte. 1864 übernahm Peter die Schirmherrschaft über den in Oldenburg gegründeten Verein zur Pflege verwundeter Krieger, der im Großherzogtum Oldenburg als freiwillige Hilfsgesellschaft vom Roten Kreuz fungierte.
Früher sah das Denkmal allerdings stattlicher und gepflegter aus. Auch zierten Steinpfosten, die mit Ketten verbunden waren, das Denkmal. Die Ketten hat man wohl im 2. Weltkrieg eingeschmolzen, so erzählt man sich. Obwohl viel kann dabei nicht rum gekommen sein. 😉 Man erzählt sich auch, dass es am Enthüllungstag des Denkmals fast überall in Delmenhorst gewittert und geregnet haben soll, nur im Tiergarten blieb es zu diesem Zeitpunkt trocken, damit man es gebührend feiern konnte. 

Im Kreisblatt vom 09.07.1912 wurde die Enthüllung wie folgt beschrieben (ich habe es ein wenig gekürzt): 
In dem herrlichen Tiergartengehölz erhebt sich jetzt an einem schönen Punkte das Denkmal, das der Deichhorster Kriegerverein dem altverehrten Großherzog Peter in Liebe geweiht hat. …des schönen Werkes, das ein Wahrzeichen sein wird für die Liebe und das treue Gedenken, das man dem alten Großherzog Peter auch nach seinem Hinscheiden bewahrt hat…

Die mit der Bahn anlandenden Kameraden wurden bald nach 2 Uhr mit Musik empfangen und marschierten unter Vorantritt der Oldenburger Artillerie-Kapelle nach dem Festplatze beim Hotel zum Tiergarten. Hier wurde zum Festmarsch angetreten, der ein schönes Bild bot. Zwei Herolde (Ausrufer und Bote eines Fürsten), zwei Tempelritter und eine Schar Landesknechte ritten dem Zuge voran, der sich bald durch die Hauptstraßen von Deichhost bewegte…Drohend grollte der Donner bereits beim Beginn des Festzuges…und in einem Teile unserer Stadt durch schwere Gewitterregen die Straßen überschwemmt wurden, wurde die Feier im Tiergarten durch keinen Regentropfen gestört…
Dort steht es nun, geschaffen von der Hand eines hiesigen Meisters. Es folgte eine lange Würdigung des Großherzogs und seiner Taten…
So ziehe sich eine deutsche Treue durchs ganze Leben bis an sein Ende. Ach die Christentreue… (daher der Spruch „Ein Gott, ein Recht, eine Wahrheit)…
Möge das Denkmal hier unter den herrlichen Bäumen den Vorübergehenden stets verkünden, dass dasselbe einem edlen Fürsten errichtet wurde.
Der Redner schloss mit einem dreifachen begeistert aufgenommenen Hoch auf Kaiser und Reich, Großherzog und Vaterland. Damit fiel die Hülle und nun erklang „Heil dir o Oldenburg“.

(Seine Frau Elisabeth war Namespate vom „Peter Elisabeth-Krankenhaus“, dem ersten öffentlichen Krankenhaus. Es stand von 1888-1928 auf der Burginsel.)

 


 

See

Der See wurde in den 1970er Jahren als Entwässerungsmaßnahme beim Ausbau der Oldenburger Landstraße angelegt. Ein Graben führt direkt vom Parkplatz Oldenburger Landstraße in den See. Leider hat der See keine direkte Verbindung mehr zum Welsewasser (wie das z. B. 1974 noch der Fall war), da diese nach der Renaturierung nicht mehr gestaut wird. Somit kommt außer Regenwasser kein Frischwasser mehr in den See und das kann in heißen Sommermonaten, mit wenig Regen, zu akuten Sauerstoffmangel führen. Aktuell im Juli 2015 passiert. Trotz schnell eingeleiteter Soforthilfe (durch die Freiwillige Feuerwehr und der Stadt), in Form von Sauerstoffzuführung durch eine große Pumpe und Frischwasserzufuhr von der Welse, sind viele Fische verendet.

 

 

Gaststätten

Rund um den Tiergarten gab es einige Gaststätten. Es gab die Restauration und Bierhalle „Zur Carlsburg“ vom Wirt Schliemann. 1906 wurde sie umgebaut und 1923 erhielt das Lokal einen Anbau. 1942 wurde das Gebäude bei einem Bombenangriff fast völlig zerstört. Nur die Außenmauern blieben stehen. 1949 baute Wirt Adolf Meyer die ehemalige Veranda wieder auf und eröffnete sie im Oktober unter dem Namen „Kehre wieder“. Zuletzt war es ein Nachtclub „La Capanina“. Im Juni 1976 wurde es abgerissen.

 

 

An der Oldenburger Str. 101 (heute Pit Stop) stand früher die Sommerwirtschaft von Ed. Müsegaes. Ganz in der Nähe der Carlsburg. Gebaut 1867 von Diedrich Müsegaes. Sein Sohn Eduard Heinrich Adolf Müsegaes verkaufte es 1914 an Karl Werner. 1928 verkaufte Werner an Johann Schneider, dessen Witwe 1941 Eigentümerin würde. 1944 übernahm Bernhard und Greta Huppacz das Lokal „Deichhorster Krug“. Viele Delmenhorster sind sich einig, dass es hier die besten Jägerschnitzel mit selbstgemachten Kartoffelsalat gab. Andere widerum schwärmen noch heute für den Kartoffelsalat von Logemann, den es auch heute noch, nach altem Rezept hergestellt, im bekannten Imbiss an der Langen Straße gibt.

„Mutter“ Huppacz war jahrelang erster Ansprechpartner für die spanischen Mädchen der Wolle, die in der ehemaligen Naturheilanstalt von David Zange „Hinter dem Tiergarten“ untergebracht wurden (ab 1905 Erholungsheim der Nordwolle). Ihr klagten sie ihr tägliches Leid.

Danach wurde aus der Wirtschaft ein chinesisches Speiselokal. 19?? wurde es abgerissen.

 

 

 

An der Oldenburger Str. 112 stand bis 1826 ein einfaches Gasthaus des Besitzers Joh. Friedrich Carl Lübke aus Bremen, der noch im gleichen Jahr einen Tanzsaal bauen ließ. Der Tiergarten war gut besucht, das wusste der Bremer zu nutzen. Beliebte Gäste waren die „anständigen“ Leute. Waren die da, wurde allen anderen der Zutritt verweigert. Wenn diese dann das feine „Etablissement“ verlassen hatten, wurde jedem anderen der Zutritt gestattet.

Nach dem Bau der Eisenbahn 1867 wurde das Gasthaus durch einen Neubau ersetzt, der auch heute noch steht. Es hatte schon viele Namen und Besitzer:

Wessel´s Hotel, Zum Schützenhof, Konzert-, Ball- u. Gesellschaftshaus zum Feenpalast, Tanz- und Vergnügungsstätte zum Tiergarten von Friedrich Schmidt, Rockpalast, Tanzschule Hsu. Aktuell ist Tanzschule Lenard drin.

 

 

 

An der Oldenburger Landstr. 1 / Ecke Wildeshauser Str. wo jetzt die Shell-Tankstelle steht, war 1866 ein einfaches Bauernhaus, welches als Gasthaus umfunktioniert wurde. Der Wirt Johann Würdemann, der im Volksmund nur „Jan up´n Timpen“ genannt wurde (Timpen = Ecke) war Korkscheider und hatte eine Schanklizenz. Ihm gehörte ein Papagei, der jeden Gast freundlich mit „Moin“ begrüsste. Wenn der Gast das Lokal verließ, wurde er mit „Schapskopp, hest ok betohlt?“ verabschiedet. Der Wirt starb 1884 und der Papagei bekam in der Bahnhofs-wirtschaft ein neues Zuhause.

Leider kein Bild vorhanden

 

Tonstich / Tonkuhle  Twisterling – Dampfziegelei

1887 als Handziegelei angelegt. 1898 von Twisterling angekauft und 1899 als Dampfziegelei eingerichtet. 1966 stillgelegt. Heutiges Rückzugsgebiet für zahlreiche, zum Teil gefährdete Tier- und Pflanzenarten, wie z. B. die Erdkröte, Grasfrosch und Teichmolch sowie dem besonders geschützten Kammmolch.
Dieser Bereich gehört großflächig zum Landschaftsschutzgebiet 1. Angeln ist dort VERBOTEN! 

Weitere Infos zur „Twisterling“- Bahn (Bahnhof Dwoberg) http://www.bahn-express.de/archiv/27753-03.htm

 

Ehemalige Brennöfen von Twisterling

Sage

Der einst ausgedehnte Laubwald der Delmenhorster Geest  wurde von Menschen durch Rodung und Raubbau weitgehend vernichtet. 
Der Hasbruch soll ehemals mit dem Stenumer Holz, den beiden Mittelhoops, dem Kimmerholz, dem Stühe, Reiherholz und Schnitthilgenloh einen zusammenhängenden Wald gebildet haben. Ebenso konnte, wie es in der Sage heißt, ein Eichhörnchen vom Hengsterholz bis zum Delmenhorster Tiergarten von Baum zu Baum springen, ohne ein einziges mal den Boden berühren zu müssen. 

(Wikipedia: Die Delmenhorster Geest umfasst die westlichen Teile des Stadtgebiets von Delmenhorst, die Gemeinden Ganderkesee, Dötlingen, Teile der Gemeinde Großenkneten und der Samtgemeinde Harpstedt sowie die Kreisstadt Wildeshausen. Bis auf die zur kreisfreien Stadt Delmenhorst gehörenden Gebiete ist die Delmenhorster Geest Bestandteil des Landkreises Oldenburg. Insgesamt umfasst die Delmenhorster Geest eine Fläche von 573 km²)