Tiergarten

Geschichte:

Früher befand sich der Wald im Besitz der Delmenhorster Grafen. Anton I hat ihn anlegen lassen, um stets einen gedeckten Tisch zu haben. Nach dem Tod von Graf Christian IV im Jahr 1647 stritten sich mehrere Familien um den Wald. Wer nun rechtmäßiger Besitzer war, konnte man nicht mehr herausfinden. Aktuell gehört er zu den Niedersächsischen Landesforsten.

Hutewald

Auf alle Fälle war der Tiergarten einmal ein Hutewald (ein in extensiver Form als Weide genutzter, lichter Wald). Dort wurden vor allem Schweine in den Wald getrieben, die die Eicheln und Bucheckern fraßen. Das zerstörte fast den Wald, weil so keine neuen Sämlinge mehr austreiben konnten.

Oppermann

1796 (70 Jahre vor der Anlage des Bremer Bürgerparks) setzte sich dann der Delmenhorster Amtsarzt Dr. Otto Ernst Oppermann dafür ein, dass aus dem Hutewald ein „Lustholz mit Spazierwege“ entstand. Er hat auch den Götterhain entlang der Oldenburger Landstraße geschaffen. Eine Reihe von dicken Buchen, in die er reliefartige Figuren einiger Götter einritzte. Die dickste Buche war die Fürstenbuche, die das oldenburgische Landeswappen als Inschrift trug. Auch sich selbst widmete er eine Buche. Leider sind diese Buchen teils durch das Anritzen schneller verfault, teils wurden diese Buchen in den Notjahren nach dem zweiten Weltkrieg abgeholzt.

Bremer Besucher

Da es ja den Bremer Bürgerpark noch nicht gab, reisten viele Bremer sonntags mit Kutsche und Bahn nach Delmenhorst, um hier die Natur zu genießen. Im Jahre 1875 zu Pfingsten waren große Menschenmassen unterwegs. Trotz eines Sonderzuges schaffte es die Eisenbahn (die seit 1867 Delmenhorst mit Bremen und Oldenburg verband) kaum, am Abend die ganzen Besucher wieder nach Hause zu bringen.

Oldenburger Straße

Damit die Pferdekutschen auch bei oder nach Regenwetter gut zum Tiergarten gelangen konnten, wurde aus der eins Oldenburger Chaussee genannten Oldenburger Straße schnell die schönste Straße der Region. Sie wurde gepflastert (mit Katzenkopfpflaster). An der Nordseite pflanzte man Linden, an der Südseite Eichen. Viele reiche Bremer Kaufleute ließen später hier ihr Villen bauen. Leider stehen davon kaum noch welche.

Name

Woher der Name „Tiergarten“ oder auch „Thiergarten“ stammt, ist nicht so recht geklärt. Es gibt unterschiedliche Meinungen:
1. Bis 1647 soll das Waldstück Jagdgebiet der Delmenhorster Grafen gewesen sein. Ein Jagdhaus und ein Wildgatter befanden sich damals im Wald.

2. Ein Flurnamensforscher meinte, dass das „Tier“ in Tiergarten vom alten Wort „Ter“ abgeleitet wurde, was Bauholz bedeutet, also schlicht für den Baum stand.

Hexenwald

Nach dem 2. Weltkrieg musste der Tiergarten sehr leiden. Wegen der Brennholzknappheit wurde der Wald quasi geplündert. Es wurde „schwarz“ gefällt und alles was an Totholz herum lag wurde eingesammelt. Dies hatte natürlich noch viel später Folgen, weil auch Totholz wichtig für den Wald ist. An einer Stelle pflanzte man ganz viele Nadelbäume, in der Hoffnung, dass diese schneller wachsen als Laubbäume und somit schnell verfeuert werden können. Von vielen Schulkinder der Grundschule Deichhorst wird dieser Teil des Tiergarten gerne Hexenwald genannt. Wohl weil es dort dunkler ist, als im übrigen Wald und die Bäume teilweise so komische Auswüchse haben, die sie urig aussehen lassen.

2012 wurden dort aber auch einige Nadelbäume gefällt, damit es dort lichter wird und Laubbäume wieder nachwachsen können. Ich hoffe, dass zumindest die Douglasien mit ihren komischen Knubbels stehen bleiben. Sie säumen den Weg durch den Hexenwald.

 

 

Denkmal

Das Denkmal von Großherzog Nikolaus Friedrich Peter (1827 – 1900) wurde 1912 vom Kriegerverein Deichhorst errichtet. Der Großherzog herrschte fast 50 Jahre über den kleinen Oldenburger Staat, zu dem auch Delmenhorst damals gehörte. Früher sah das Denkmal allerdings stattlicher und gepflegter aus. Auch zierten Steinpfosten, die mit Ketten verbunden waren, das Denkmal. Die Ketten hat man wohl im 2. Weltkrieg eingeschmolzen, so erzählt man sich. Man erzählt sich auch, dass es am Enthüllungstag des Denkmals fast überall in Delmenhorst gewittert und geregnet haben soll, nur im Tiergarten blieb es zu diesem Zeitpunkt trocken, damit man es gebührend feiern konnte.

 

 

See

Der See wurde in den 1970er Jahren als Entwässerungsmaßnahme beim Ausbau der Oldenburger Landstraße angelegt. Ein Graben führt direkt vom Parkplatz Oldenburger Landstraße in den See. Leider hat der See keine direkte Verbindung mehr zum Welsewasser (wie das z. B. 1974 noch der Fall war), da diese nach der Renaturierung nicht mehr gestaut wird. Somit kommt außer Regenwasser kein Frischwasser mehr in den See und das kann in heißen Sommermonaten, mit wenig Regen, zu akuten Sauerstoffmangel führen. Aktuell im Juli 2015 passiert. Trotz schnell eingeleiteter Soforthilfe (durch die Freiwillige Feuerwehr und der Stadt), in Form von Sauerstoffzuführung durch eine große Pumpe und Frischwasserzufuhr von der Welse, sind viele Fische verendet.

 

 

Gaststätten

Rund um den Tiergarten gab es einige Gaststätten. Es gab die Restauration und Bierhalle „Zur Carlsburg“ vom Wirt Schliemann. 1906 wurde sie umgebaut und 1923 erhielt das Lokal einen Anbau. 1942 wurde das Gebäude bei einem Bombenangriff fast völlig zerstört. Nur die Außenmauern blieben stehen. 1949 baute Wirt Adolf Meyer die ehemalige Veranda wieder auf und eröffnete sie im Oktober unter dem Namen „Kehre wieder“. Zuletzt war es ein Nachtclub „La Capanina“. Im Juni 1976 wurde es abgerissen.

 

 

An der Oldenburger Str. 101 (heute Pit Stop) stand früher die Sommerwirtschaft von Ed. Müsegaes. Ganz in der Nähe der Carlsburg. Gebaut 1867 von Diedrich Müsegaes. Sein Sohn Eduard Heinrich Adolf Müsegaes verkaufte es 1914 an Karl Werner. 1928 verkaufte Werner an Johann Schneider, dessen Witwe 1941 Eigentümerin würde. 1944 übernahm Bernhard und Greta Huppacz das Lokal „Deichhorster Krug“. Viele Delmenhorster sind sich einig, dass es hier die besten Jägerschnitzel mit selbstgemachten Kartoffelsalat gab. Andere widerum schwärmen noch heute für den Kartoffelsalat von Logemann, den es auch heute noch, nach altem Rezept hergestellt, im bekannten Imbiss an der Langen Straße gibt.

„Mutter“ Huppacz war jahrelang erster Ansprechpartner für die spanischen Mädchen der Wolle, die in der ehemaligen Naturheilanstalt von David Zange „Hinter dem Tiergarten“ untergebracht wurden (ab 1905 Erholungsheim der Nordwolle). Ihr klagten sie ihr tägliches Leid.

Danach wurde aus der Wirtschaft ein chinesisches Speiselokal. 19?? wurde es abgerissen.

 

 

 

An der Oldenburger Str. 112 stand bis 1826 ein einfaches Gasthaus des Besitzers Joh. Friedrich Carl Lübke aus Bremen, der noch im gleichen Jahr einen Tanzsaal bauen ließ. Der Tiergarten war gut besucht, das wusste der Bremer zu nutzen. Beliebte Gäste waren die „anständigen“ Leute. Waren die da, wurde allen anderen der Zutritt verweigert. Wenn diese dann das feine „Etablissement“ verlassen hatten, wurde jedem anderen der Zutritt gestattet.

Nach dem Bau der Eisenbahn 1867 wurde das Gasthaus durch einen Neubau ersetzt, der auch heute noch steht. Es hatte schon viele Namen und Besitzer:

Wessel´s Hotel, Zum Schützenhof, Konzert-, Ball- u. Gesellschaftshaus zum Feenpalast, Tanz- und Vergnügungsstätte zum Tiergarten von Friedrich Schmidt, Rockpalast, Tanzschule Hsu. Aktuell ist Tanzschule Lenard drin.

 

 

An der Oldenburger Landstr. 1 / Ecke Wildeshauser Str. wo jetzt die Shell-Tankstelle steht, war 1866 ein einfaches Bauernhaus, welches als Gasthaus umfunktioniert wurde. Der Wirt Johann Würdemann, der im Volksmund nur „Jan up´n Timpen“ genannt wurde (Timpen = Ecke) war Korkscheider und hatte eine Schanklizenz. Ihm gehörte ein Papagei, der jeden Gast freundlich mit „Moin“ begrüsste. Wenn der Gast das Lokal verließ, wurde er mit „Schapskopp, hest ok betohlt?“ verabschiedet. Der Wirt starb 1884 und der Papagei bekam in der Bahnhofs-wirtschaft ein neues Zuhause.

 

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