Burg / Graft

Burg und Schloss von Delmenhorst

(Kurzfassung) 🙂
1247 begann der Bau der Burg auf der Burginsel, dem „Horst an der Delme“. Eine trocken gelegene Landinsel in einem sumpfigen und schwer zugänglichen Areal.
Als Schutz der Burg diente die umgebende Graft. Die Burginsel lag verkehrsgünstig an zwei mittelalterlichen Straßen, der flämischen und der ostfriesischen Handelsstraße. 1553 wurde die Burg zu einem repräsentativen Renaissance-Wasserschloss umgebaut. Es war das schönste Schloss weit und breit. Es entstand zu der Zeit auch ein zweiter Wassergraben, die jetzige Außengraft.
Als der letzte Graf von Delmenhorst Graf Christian IX (1612 – 1647) bei einem Reitunfall starb, fiel das Schloss aufgrund eines Erbvertrages an Oldenburg.
Graf Christian hatte keine Erben hinterlassen und seine Schwestern waren nicht erbberechtigt. So regierte Anton Günther (1583-1667) – Graf von Oldenburg und Delmenhorst -  bis zu seinem Tod im Jahre 1667 über das Schloss. Auch er hinterließ keine Erben. Die beiden Grafschaften fielen an die dänische Verwandtschaft. Diese kümmerte sich gar nicht um das Delmenhorster Schloss. 1711 stand fest, dass nichts mehr zu retten war. Das Schloss wurde „geschliffen“. Die Abbruchstoffe der Burg wurden verkauft und die Burginsel verpachtet.
D
er „Blaue Turm“, das einstige Zentrum der Anlage, wurde noch stehen gelassen und als Archiv genutzt. 1734 wurde auch er langsam baufällig. Zuerst wurde das obere Stockwerk abgetragen, später 1787 auch der untere Teil. Steine des Turms wurden beim Neubau der Stadtkirche verwendet. Der "blaue Turm" ist auch im Delmenhorster Stadtwappen zu sehen.
1976 wurde auf der Burginsel nach Resten der Burg gegraben. Keiner wusste bis dahin den genauen Standort der Burg/des Schlosses. Bei einer Tiefe von mehr als 4 Metern stieß man auf die Fundamente. Es war die Nordwestecke des sogenannten Kabinetts. Die Findlinge liegen jetzt genau an der Stelle, unter der sie jahrhundertelang verborgen gelegen hatten. Auch die Lage des „Blauen Turms“ mit seinen 4 Metern dicken Mauern wurde im Rasen nachgelegt.

 

Peter-Elisabeth-Krankenhaus

Später wurde dann auf der Burginsel das erste Delmenhorster Krankenhaus gebaut. Am 22.05.1878 wurde der Grundstein gelegt. Am 04.05.1879 erfolgte die Einweihung. 1898/98 wurde je ein separater Frauen- und Männerflügel angebaut. 1903 entstand das Pförtnerhaus im Eingangsbereich. Zu dieser Zeit waren 102 Betten vorhanden. 1908 reichte die Höchstanzahl von 115 Betten nicht mehr aus. Das Krankenhaus war ständig überfüllt. Die Stadt plante daher die neuen Krankenanstalten an der Wildeshauser Straße. Somit hatte das Peter-Elisabeth-Krankenhaus auf der der Burginsel 1928 ausgedient. Die Burginsel ging an die Stadt Delmenhorst als Eigentümerin über. Die Stadt nutzte das ehemalige Krankenhaus 1929 für die Berufsschule und später vorübergehend noch für Ausweichklassen des Max-Planck-Gymnasium. 1965 wurden zunächst die Seitenflügel abgebrochen, 1972 das Haupthaus. Gleichzeitig verschwand auch der AWO-Kindergarten.
Der zog in den neu renovierten Anbau der Parkschule. Das Pförtnerhaus von 1903 wurde im Februar 1976 abgerissen.

Danach wurde die Burginsel als Grünanlage geöffnet.

Ehemaliges Pförtnerhaus - dort steht jetzt das Gartenhaus.

Linkes Wohnhaus steht noch, rechts ehemaliges Pförtnerhaus vom Krankenhaus. Hier steht jetzt das Gartenhaus.

 

Das Gartenhaus

Das ehemalige „Lusthaus“ vom Adelsgut Weyhausen wurde 1979 auf der Burginsel als Gartenhaus wieder aufgebaut.

Ursprünglich stand es zwischen Deichhausen und der Ochtum (an der Straße nach Berne) auf einem von Anton I. von Oldenburg und Delmenhorst um 1550 errichtetes Adelsgut und diente dem Grafen als Ort für festliche Essen.

Das Gartenhaus hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Nach dem Tod der Delmenhorster Grafen wechselte das Gut oft den Besitzer. Es verlor durch Teilung der Ländereien an Grund und Boden. 1723 wurde das ursprünglich während der Renaissance erbaute Lusthaus im Barockstil vom Bremer Ratsherr Carsten Meyer und seinem Schwiegersohn Schacht umgebaut. Über der Tür prangen noch heute die Wappen der Familien. Das linke Wappen zeigt einen bärtigen Mann mit langem Stab im rechten Arm. Das rechte Wappen ist dreimal geteilt. Im oberen Feld ein Stern, im mittlere eine Sensenklinge und unten eine Eichel.

Danach wurde es als Brauhaus, als Zollgefängnis, als Gottesdienstraum und (mit zugemauerten Fenstern) als Speicher verwendet.

Später verfiel es langsam. 1936 versuchte Georg von Lindern zusammen mit dem Heimatverein, das Lusthaus zu retten. Da aber der 2. Weltkrieg dazwischen kam, passierte erst mal nichts. 1956 stürzte es in sich zusammen. Frost und Feuchtigkeit hatten das Mauerwerk gesprengt. Es wurde gerettet, was noch zu retten war. Die Sandsteine wurden nummeriert und in Oldenburg eingelagert. 1979 gelang es der Stadt endlich, das eingelagerte Lusthaus nach Delmenhorst zu holen. Es wurde im Eingangsbereich der Burginsel mit Unterstützung des Landes Niedersachsen und der Oldenburgisches Landschaft wieder aufgebaut. Am 26.11.1979 wurde es eingeweiht. Es wird jetzt oft für Trauungen und Kunstausstellungen benutzt. 

 

Die Graft als Park

1905 war die Geburtsstunde unserer grünen Lunge der Stadt. Vorher stand dort kein einziger Baum. Für die ersten 1000 Mark wurde der Promenadenweg angelegt. Für weitere 600 Mark die Holzbrücke über die Delme . Diese wurde 1952 durch eine steinerne Brücke ersetzt. Die Wappen am Eisengitter zeigen einmal das Wappen der Stadt und auf der anderen Seite das der ehemaligen Grafschaft Delmenhorst.

1906 zog man einen Bremer Gartendirektor zu Rate. In den Folgejahren entstand langsam, Schritt für Schritt, eine städtische Gartenanlage.
1907 stiftete Prokurist Henke einen Borkenhäuschen, welches direkt am südlichen Ende des Karpfenteiches aufgebaut wurde. In dieser Liebeslaube (eine Art Schutzhütte aus Holz, mit Baumrinden verziert) sollen schon viele Delmenhorster Familien ihren Anfang genommen haben. 1958/59 entstand ein Nachfolger.

Der Karpfenteich wurde bereits 1886 angelegt. Mitte der 60ziger wurde der Damm zwischen dem Teich und der Delme befestigt und beflanzt, um der vielfältigen Vogelwelt eine Brutstätte zu geben. Heute ist dieser so stark zugewachsen, dass man nur in den Wintermonaten sieht, dass am Karpfenteich die Delme vorbei fließt.

Vor dem 1. Weltkrieg war die Graft ein schmaler Grüngürtel, bestückt mit wertvollen Bäumen. 1914 entstand der Aufgang von der Bismarckstraße zwischen den Häusern der Familien Wischer (später Hilke) und Klein. Er wurde beidseitig mit Pyramidenulmen bepflanzt. Der Weg um die Burginsel wurde 1929, im Zusammenhang mit dem Umbau des Krankenhauses in eine gewerbliche Berufsschule, angelegt.

Der Verbindungsweg von der Graft bis zum Schlutterweg auf dem rechten Delmedeich wurde 1932 angelegt.

1951 konnte die Stadt die „von Witzlebenschen Graftwiesen“ erwerben. Im nördlichen Teil wurde dann der Kramermarktplatz hergerichtet. Dieser fand
vorher auf dem Hans-Böckler-Platz statt. Entlang der „Kleinen Delme“ am Burggrafendamm wurde eine Kleingartenanlage angelegt. 1953 entwarf der erste Gartenamtsleiter der Stadt die Graftflächen als eine Parkanlage voller Abwechslung und Ruhezonen. Ganz in der Nähe der Kleingärten wurde 1959 ein Rodelberg geschaffen. So hatte man für den  Erdaushub, der bei der Reinigung des Mühlenteiches gewonnen wurde, eine Verwendung. 1954 – 1957 wurden die Graftanlagen noch in Richtung Max-Planck-Str. erweitert.

1963 errichtete man das Freibad sowie 1964 das Hallenbad, später auch Delfina genannt. Dies wurde leider 2010 abgerissen und durch den Neubau ersetzt, der heutigen Graft-Therme. Das Bad steht am selben Standort, wobei der eigentlich Bau nach hinten rückte, damit man vorne Parkplätze einrichten konnte. Dadurch büßte man leider die heiß geliebte Freibadfläche des damaligen Bades ein.

Der bronzene Reiher. Wo mag er geblieben sein? Letzter bekannter Standort war im Rosenbeet vom Delfina.

Links Karpfenteich - rechts Delme. Mittlerer Weg ist nicht mehr begehbar. Hinterm Fotografen wäre ungefähr das Entenhaus - Höhe Gefängnis. Bildmitte wäre die jetzige Holzbrücke, wo jahrelang die große Kastanie stand.

 

Ab 1882 gab es zwischen der Innen- und Außengraft ca. 25 Grundstücke. Die konnte man für 3 Mark/m² vom Oldenburger Staat erwerben. Es waren die ehemaligen Schlossländereien. Meist wurde es als Gartenland benutzt. Auf 2 Grundstücken im nördlichen Bereich der Innengraft entstanden auch feste Häuser, für die man heute keine Baugenehmigung mehr bekommen würde. Bis in die 50ziger Jahre versperrte ein hohes Lattentor den Weg zu den Burggärten. Alt eingesessene Familien unterhielten ihr Land inmitten der öffentlichen Grünanlagen. Es wurde Grünkohl gezogen, Kartoffeln angebaut und Blumen gepflanzt. Echten Grafthonig gab es bei Frau Lange in der Moltkestraße. Sie hatte lange Zeit ihre Bienen in der Graft. Heute stehen dort noch einige der Obstbäume.

Obstbäume - Frau Lange

Gleichzeitig mit den Gärten errichtete der Verein für öffentliche Bäder auf einem noch recht kleinen Grundstück die erste Badeanstalt. Die Fläche ist bis heute als Liegefläche erhalten geblieben.

Mitte der 20er wurde das Graftbad vergrößert. Ende der 20er sollte das Bad erneute vergrößert werden. Heinrich Meyer, ihm gehörte das angrenzende Grundstück, wurde aufgefordert, sein Grundstück zu veräußern. Doch da die Mutter von Heinrich Meyer so an dem Garten hing verkaufte er nicht, denn er wollte ihr nicht die Lebensfreude nehmen. Das Graftbad wurde 1963 vom Stadtbad „abgelöst“.

Graft Liegewiese

Alle Angaben ohne Gewähr. 🙂

Alte Ansichten zur Verfügung gestellt von
Angelika Heidberg und Jens Tönjes